Länder-CIOs bei der Sitzung des Arbeitskreises 1.7 „Digitalisierungskompetenz der öffentlichen Verwaltung“

Das Thema der Digitalisierung ist in den Ländern sehr unterschiedlich organisatorisch eingebettet, wie eingangs der Sitzung des Arbeitskreises 1.7 „Digitalisierungskompetenz der öffentlichen Verwaltung“ deutlich wurde. Der von Dr. Michael Räckers, Universität Münster, geleitete Arbeitskreis tagte am 29.01.2020 in der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden.

Digitalisierungskompetenz in Hessen und Mecklenburg-Vorpommern

Patrick Burghardt, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung, erläuterte zu Beginn der Sitzung, dass Hessen mit Kristina Sinemus nicht nur die erste Digitalministerin in Deutschland habe, sondern dass das Ministerium über ein eigenes Digitalisierungsbudget verfüge. Das eigene Budget ermögliche es, die Digitalisierung auch interministeriell zu steuern. Solche Steuerungsmöglichkeiten über das Budget habe ihr Ministerium nicht, berichtete hingegen Ina-Maria Ulbrich, Staatssekretärin im Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung von Mecklenburg-Vorpommern. Auch habe sie leider nicht den „Luxus“ sich nur mit Digitalisierung zu befassen. In Sachen Digitalisierungskompetenz sahen beide Länder-CIOs jedoch sehr ähnliche Herausforderungen. Duale Ausbildungen, duale Studiengänge und Weiterbildungsangebote müssten dringend an die Anforderungen der Digitalisierung angepasst werden. Ein Umdenken sei bezüglich der Arbeitsweise notwendig. In Sachen Arbeitszeitgestaltung, Home-Office und mobilem Arbeiten müsse die Verwaltung deutlich flexibler werden. Weniger Silodenken, stärkere Kooperationsbereitschaft und mehr Projektarbeit seien notwendig, betonte Frau Ulbrich.

Im Fokus: Personalgewinnung und -weiterbildung

Wie die öffentliche Verwaltung über finanzielle Anreize zusätzliches Personal rekrutieren will, beschrieb Herr Dr. Schulz, Bundesverwaltungsamt (BVA) und Vorsitzender des Fachausschuss 1 der AWV. Auf Bundesebene habe sich indes in den letzten Jahren ein „Flickenteppich“ an Zulagen entwickelt, der auch die Konkurrenzsituation zwischen öffentlichen Arbeitgebern, selbst innerhalb der Bundesverwaltung, verschärft. Das BVA habe auch entsprechend der Heimatstrategie des Bundesregierung darauf reagiert, indem die Dienstleistungsaufgaben des BVA verstärkt in Außenstellen außerhalb der großen Metropolregionen erbracht werden. Dies sei zwar ein organisatorischer Umbruch, aber die Personalrekrutierung in diesen Standorten sei wesentlich einfacher.

Kommunen bleiben solche Wege der Personalrekrutierung natürlich verschlossen. Desto stärker müssen sie in die Weiterbildung des bestehenden Personals investieren. Ein niedrigschwelliges Angebot dazu ist das Qualifizierungsprogramm „Kommunale Digitallotsen“. Ilona Benz, Gemeindetag Baden-Württemberg, stellte das Programm vor, das Mitarbeiter von Kommunen in einem dreitägigen Workshop zu Mittlern zwischen IT und Fachverwaltung ausbildet (siehe auch Beitrag in der AWV-Info 2/2019).

Digitale Komptenzen erfassen

Wie digitale Kompetenzen der öffentlichen Verwaltung zunächst einmal erfasst werden können, erläuterten im Anschluss Anna Farina Vollbracht, FOM Hochschule, und Vanessa Diedrich, Kienbaum, in ihren Vorträgen. Frau Vollbrach berichtete über das Projekt „Führung in der digitalisierten öffentlichen Verwaltung" (FührDiV), das im Rahmen der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA) gefördert wurde. Daraus gingen Selbstbewertungschecks zu den Themenfeldern Führung, Gesundheit sowie Wissen und Kompetenz hervor, die sie gemeinsam mit den Teilnehmenden erörterte.

Auch der „Digital Readiness Check“, den Frau Diedrich vorstellte, basiert auf der Selbstbewertung der Verwaltungsmitarbeiter. Für den Check wurden in verschiedenen Organisationen freiwillige und anonyme Umfragen zu digitalen Kompetenzen der Mitarbeitenden durchgeführt. Auf Grundlage der Ergebnisse wurden den Organisationen sowie den einzelnen Teilnehmern Empfehlungen für Weiterbildungsschwerpunkte gemacht.

Nächster Termin am 13. Mai 2020

Der Arbeitskreis wird anknüpfend an die Vorträge und Diskussionen weiter an Konzepten zur Weiterbildung und Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Dienstes arbeiten. Die nächste Arbeitskreissitzung findet am 13.05.2020 in Münster statt. Interessierte können sich an Herrn Dr. Stolzenberg wenden (E-Mail: stolzenberg@awv-net.de).

Text: Dr. Philipp Stolzenberg, AWV-Fachreferent, Eschborn
Veröffentlicht am 04.02.2020 / Bild: Fotolia, StockPhotoPro