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Praxischecks – ein sinnvolles Instrument zu praxistauglicher Gesetzgebung

Workshop des AWV-Arbeitskreises „Digitale Transformation im Personalwesen“ am 24. und 25. Juni 2026 in Berlin

vonBrigitte Hild | AWV e.V.

Adobe Stock / pixel shot

Gesetze entfalten ihre Wirkung erst dann, wenn sie sich in der Praxis umsetzen lassen. Gerade im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung zeigt sich jedoch immer wieder, dass gut gemeinte Regelungen in der konkreten Anwendung an ihre Grenzen stoßen.

Komplexe Verwaltungsverfahren, unterschiedliche Rechtsbegriffe oder fehlende Abstimmungen zwischen den beteiligten Akteuren sind es häufig, die eine effiziente Umsetzung erschweren. Wie sich solche Hürden künftig frühzeitig erkennen und vermeiden lassen, stand im Mittelpunkt des diesjährigen Präsenzworkshops des AWV-Arbeitskreises 2.5 „Digitale Transformation im Personalwesen“.

In Berlin kamen am 24. und 25. Juni 2026 insgesamt 24 Fachleute aus Wirtschaft, Verwaltung und Sozialversicherung zusammen. Passend zur in diesen Tagen außergewöhnlich hohen Temperaturen in der Hauptstadt wurden einzelne Arbeitsphasen kurzerhand ins Freie verlegt, und doch herrschte während der beiden Tage eine konzentrierte, engagierte und zugleich ausgesprochen kollegiale Arbeitsatmosphäre.

 

Den Auftakt gestaltete die ITSG GmbH als Gastgeberin des Workshops. Stefan Haibach (ITSG) stellte das Unternehmen und seine Rolle als gemeinsame IT-Dienstleisterin der gesetzlichen Krankenkassen vor und gab Einblicke in aktuelle Innovationsvorhaben. Daran anknüpfend zeigte Gregor Grebe (ITSG) in einem Impulsvortrag zur Künstlichen Intelligenz auf, welche Potenziale KI bereits heute insbesondere in der Softwareentwicklung eröffnet, zugleich aber auch, welche Herausforderungen sich im Hinblick auf Qualitätssicherung, Verantwortung und digitale Souveränität ergeben. Die vorgestellten Entwicklungen bildeten einen passenden Einstieg in die anschließenden Diskussionen über moderne, digitaltaugliche Verwaltungsverfahren.

Praxischecks: Probleme erkennen, bevor sie entstehen


Den inhaltlichen Schwerpunkt des Workshops bildeten sogenannte Praxischecks. Sie verfolgen das Ziel, bereits bestehende Verwaltungsverfahren und Gesetzgebung (ex post) oder aber neue Regelungsvorhaben (ex ante) aus Sicht aller Stakeholder zu betrachten. Hierzu bringen Praxischecks Verwaltung, Wirtschaft und weitere Beteiligte frühzeitig zusammen, um mögliche Schwachstellen zu identifizieren und praxisgerechte Lösungen zu entwickeln.

Einen anschaulichen Einblick in dieses Instrument gab Sebastian Schimm vom (Bundesministerium der Finanzen). Am Beispiel eines Praxischecks der Zollverwaltung zeigte er auf, wie Unternehmen gezielt in die Analyse von Formularen und Verwaltungsverfahren eingebunden werden können. Die Ergebnisse verdeutlichen das erhebliche Potenzial, Bürokratie abzubauen, Verwaltungsabläufe zu vereinfachen und Verfahren nutzerorientierter zu gestalten.

Anschließend stellte Thomas Müller vom (Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung) dar, welche Rolle Praxischecks künftig als Instrument einer besseren Rechtsetzung spielen sollen. Die Praxischecks sind dabei, gleich ob ex post oder ex ante eingesetzt, bewusst als fachlicher und möglichst entpolitisierter Ansatz zum Bürokratieabbau konzipiert. Als ein mögliches Format eines Praxischecks werden Workshops mit Praktikerinnen und Praktikern durchgeführt, bei denen ein jeweils klar abgegrenzter Lebenssachverhalt in moderierten Kleingruppen nach Methoden des „Design Thinking“ analysiert wird. Dabei geht es im ersten Schritt darum, Ursachen zu verstehen, um dann erst geeignete Lösungsansätze zu entwickeln. Diese Vorgehensweise ist den Arbeitskreisen der AWV durchaus vertraut. Umso naheliegender erscheint es, dass die Durchführung von Praxischecks das Portfolio der AWV-Facharbeit künftig sinnvoll ergänzen könnte.

Von der Theorie in die Praxis


Die Vorträge bildeten die Grundlage für intensive Arbeitsphasen des Arbeitskreises. In Gruppen entwickelten die Teilnehmenden eigene Ansätze für die Durchführung von Praxischecks und diskutierten insbesondere, wie sich gesetzliche Regelungen künftig stärker an den tatsächlichen Verwaltungs- und Unternehmensprozessen orientieren können. Deutlich wurde, dass Praxischecks weit mehr sind als ein weiteres Prüfinstrument: Sie fördern den frühzeitigen Austausch zwischen allen Beteiligten und schaffen ein gemeinsames Verständnis für praktikable Lösungen.

Ebenso intensiv fiel der traditionelle Erfahrungsaustausch innerhalb des Arbeitskreises aus. Diskutiert wurden unter anderem aktuelle Gesetzgebungsvorhaben, Entwicklungen im Bereich der Registermodernisierung, neue Anforderungen an elektronische Meldeverfahren sowie zahlreiche Themen aus der Sozialversicherung und der Entgeltabrechnung. Erneut zeigte sich, wie dynamisch sich die Rahmenbedingungen derzeit verändern und wie wichtig der kontinuierliche fachliche Austausch zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Sozialversicherung ist.

Gemeinsam Lösungen entwickeln


Zum Abschluss des Workshops verständigte sich der Arbeitskreis darauf, die gewonnenen Erkenntnisse weiterzuentwickeln. Geplant ist unter anderem eine strukturierte Arbeitshilfe, mit der Praxischecks künftig systematisch vorbereitet, dokumentiert und ausgewertet werden können.

Der Workshop machte deutlich, dass moderne Gesetzgebung heute weit mehr leisten muss als rechtssichere Regelungen zu formulieren. Sie muss zugleich digital umsetzbar, verständlich und praxistauglich sein. Praxischecks leben vom Dialog zwischen allen Beteiligten. Genau dieser Dialog gehört seit jeher zum Selbstverständnis der AWV. Damit bieten ihre Arbeitskreise hervorragende Voraussetzungen, um dieses Instrument künftig aktiv mitzugestalten und so einen Beitrag zu praxistauglicher, digitaler Gesetzgebung zu leisten.

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