- Digitalisierung & Modernisierung
eGovernment MONITOR 2026: Digitale Verwaltung überzeugt, wenn sie genutzt wird – das Vertrauen in den Staat sinkt trotzdem weiter
Adobe Stock /Andrej Popov
Die Initiative D21 und die TU München haben den eGovernment MONITOR 2026 veröffentlicht. Er zeigt, wie eng Verwaltungsdigitalisierung, Leistungsfähigkeit und Vertrauen zusammenhängen.
Die Initiative D21 und die Technische Universität München haben den eGovernment MONITOR 2026 veröffentlicht. Die repräsentative Studie erscheint seit 2010 jährlich. Befragt wurden im April und Mai 2026 rund 8.100 Internetnutzende in Deutschland sowie je etwa 1.000 in Österreich und der Schweiz. Schirmherr ist das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, die Erhebung führte das Marktforschungsunternehmen Kantar durch.
Die Ergebnisse zeichnen ein zweigeteiltes Bild. Wer digitale Angebote nutzt, ist überwiegend zufrieden: 81 Prozent derjenigen, die ihr letztes Behördenanliegen ganz oder teilweise online erledigt haben, sind mit dem Ergebnis zufrieden. Bei rein analoger Abwicklung sind es 64 Prozent. 94 Prozent würden den digitalen Weg wieder wählen. Trotzdem hat die Hälfte der Befragten ihr letztes Anliegen komplett offline erledigt. Nur 26 Prozent haben es durchgängig digital abgewickelt, in Österreich und der Schweiz sind es rund doppelt so viele.
Digitale Verwaltung und Vertrauen
Das Vertrauen in den Staat sinkt weiter: Nur noch 32 Prozent haben großes oder sehr großes Vertrauen, ein neuer Tiefstand. Beim Vertrauen in Behörden und Ämter geht es erstmals ebenfalls zurück, von 37 auf 34 Prozent. Dahinter steht eine Erwartungslücke. 64 Prozent wünschen sich Verwaltungsleistungen so einfach wie bei Privatunternehmen, aber nur 15 Prozent sehen ihre Erwartungen an eine moderne digitale Verwaltung erfüllt. Wer das tut, vertraut dem Staat zu 63 Prozent, bei allen anderen sind es nur 27 Prozent.
Genau diesen Zusammenhang hatte Cornelia Gottbehüt in ihrem Vortrag „Handlungsfähigkeit entscheidet: Warum ein moderner und leistungsfähiger Staat die Grundlage für Demokratie, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt ist“ im Rahmen der AWV-Jubiläumsfeier beschrieben. Im eGovernment MONITOR verweist sie darauf, dass sich Investitionen in digitale Angebote lohnten. Die aktuellen Befragungsergebnisse zeigen dabei einen deutlichen Zusammenhang zwischen der wahrgenommenen Leistungsfähigkeit einer modernen digitalen Verwaltung und dem Vertrauen in den Staat.
Inwiefern lassen sich die Ergebnisse übertragen?
Die Studie nimmt die Perspektive der Bürgerinnen und Bürger ein. Viele Befunde lassen sich aber auf Themen der AWV übertragen, da sie die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Verwaltung gleichermaßen betreffen.
- Durchgängige Prozesse: 68 Prozent der Medienbrüche in digital begonnenen Verfahren sind unfreiwillig. Als Gegenmittel werden in der Studie unter anderem digitale Nachweise und Registerabrufe, der Abbau verzichtbarer Schriftformerfordernisse, integrierte Bezahlmöglichkeiten und die digitale Zustellung von Bescheiden genannt.
- Standardisierung: Laut der Studie werden wiederverwendbare Basiskomponenten und einheitliche Zugänge gefordert. 62 Prozent wünschen sich eine einheitliche digitale Identifikationsmöglichkeit.
- Once-Only und Registermodernisierung: 42 Prozent der Befragten stehen dem Prinzip positiv gegenüber, nur 15 Prozent ablehnend. Die Bereitschaft zur Datenfreigabe hängt vom Vertrauen ab.
- KI und digitale Identitäten: 62 Prozent erwarten, dass der Staat neue Technologien für mehr Effizienz einsetzt. Beim Einsatz von KI-Chatbots ist die Weiterleitung an einen Menschen für 50 Prozent am wichtigsten. Die EUDI-Wallet1 kennen bislang nur 19 Prozent.
Der eGovernment MONITOR 2026 steht auf der Website der Initiative D21 zum Download bereit: → zur Studie
1 Weiterführende Informationen zur EUDI-Wallet finden Sie der Projektwebseite des nationalen EUDI-Wallet-Projekts: Einfach im Alltag. Sicher für deine Daten. Die EUDI-Wallet. | EUDI-Wallet
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