- Digitalisierung & Modernisierung
Aktivierung statt Verwaltung - Erfolgsbedingungen kommunaler Integrationsarbeit
Wie das kommunale Jobcenter Pro Arbeit Kreis Offenbach die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten seit 2015 gestaltet – eine Zwischenbilanz zwischen Praxiserfahrung und strategischer Weiterentwicklung
vonProf. Dr. Ulrich Gartzke, THWS | Co-Moderator der AWV-PG 1.6.2 und Boris Berner, Pro Arbeit Kreis Offenbach AöR
Adobe Stock / auremar
Seit Angela Merkel im Herbst 2015 sagte: „Wir schaffen das!“, gelang im Jobcenter Offenbach fast 10.000-mal die Integration in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Was steckt hinter diesem Erfolg?
Der Auftrag: Über Nacht zur Drehscheibe der Integration
Als Bundeskanzlerin Angela Merkel im Herbst 2015 den Satz „Wir schaffen das!“ prägte, wurde daraus für die Jobcenter über Nacht ein konkreter Handlungsauftrag. Im Kreis Offenbach vor den Toren Frankfurts stand das kommunale Jobcenter Pro Arbeit vor einer doppelten Herausforderung: der kurzfristigen Sicherung des Lebensunterhalts nach dem Sozialgesetzbuch II und der langfristigen Integration einer neuen Zielgruppe in Arbeit, Ausbildung und Gesellschaft. Diese Zielgruppe war geprägt von Sprachbarrieren, unterbrochenen Bildungsbiografien sowie teils traumatischen Erfahrungen und zugleich getragen vom Wunsch, in Deutschland dauerhaft Fuß zu fassen.
Knapp zehn Jahre später lässt sich eine Zwischenbilanz ziehen. Im Januar 2026 betreut die Pro Arbeit insgesamt 6.850 anerkannte Geflüchtete und ukrainische Vertriebene. Seit 2015 wurden 10.669 Integrationen für 4.945 Personen realisiert – überwiegend in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, ergänzt durch geringfügige Beschäftigung, Ausbildung und Selbständigkeit. Diese Entwicklung beruht auf strategischer Weitsicht, operativer Anpassungsfähigkeit und einer aktivierenden Grundhaltung.
Der Beitrag zeichnet diesen Weg nach und geht folgenden Fragen nach: Welche Herausforderungen waren zu bewältigen? Was hat die Integrationsarbeit erleichtert, was erschwert? Und welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus für die weitere Ausgestaltung der Integrationsarbeit?
Zwei Welten, ein Ziel: Die Zuwanderungsgruppen 2015 und 2022
Die Arbeitsmarktintegration im Kreis Offenbach lässt sich in zwei strukturell unterschiedliche Phasen gliedern. Sie unterschieden sich in rechtlichen, demografischen und bildungspolitischen Rahmenbedingungen sowie in der Zusammensetzung der Zielgruppen.
2015: Ein Stresstest mit strukturellem Startnachteil
Die ab 2015 nach Deutschland kommenden Geflüchteten trafen auf ein System, das auf ihre Bedürfnisse nicht vorbereitet war. Asylverfahren dauerten häufig zwölf bis 24 Monate. Beschäftigungsverbote – in der Regel neun Monate – verzögerten den Zugang zum Arbeitsmarkt. Die Vorrangprüfung verursachte zusätzlichen administrativen Aufwand, Wohnsitzauflagen nach dem Königsteiner Schlüssel banden viele Menschen an strukturschwächere Regionen mit begrenzten Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Zuständigkeit der Jobcenter begann erst mit Anerkennung des Schutzstatus.
Demografisch handelte es sich überwiegend um alleinstehende junge Männer zwischen 20 und 35 Jahren. Das Bildungsprofil war stark polarisiert: Ein Teil verfügte über gymnasiale Bildung, ein anderer über weniger als sechs Jahre Schulausbildung. Formale Berufsabschlüsse nach deutschem Standard waren selten oder gar nicht vorhanden, Bildungsbiografien häufig unterbrochen.
2022: Besserer Rahmen, neue Komplexität
Die Reaktion auf die Fluchtbewegung aus der Ukraine ab 2022 griff dann zentrale Lehren der Vorjahre auf. Mit der Aktivierung der EU-Massenzustrom-Richtlinie erhielten die Vertriebenen einen gesicherten Aufenthaltsstatus, Beschäftigungsverbote entfielen. Seit dem Rechtskreiswechsel ins SGB II am 1. Juni 2022 bestand direkter Zugang zu allen Förderleistungen, einschließlich Sprach- und Integrationskursen.
Gleichzeitig brachte die demografische Struktur neue Herausforderungen mit sich: 70–80 % der ukrainischen Geflüchteten waren Frauen, viele mit minderjährigen Kindern. Das Bildungsniveau war insgesamt höher, häufig mit Abitur oder Hochschulabschluss. Anerkennungsverfahren erwiesen sich jedoch als langwierig. Erste Daten deuten auf eine insgesamt langsamere Arbeitsaufnahme als bei der 2015er-Kohorte hin. Als zentrale Hürde zeigte sich die Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit.
Daraus ergaben sich unterschiedliche strategische Schwerpunkte: Während bei der 2015er-Kohorte die rasche Integration junger Männer – häufig über Helfertätigkeiten – im Vordergrund stand, rückten bei der Ukraine-Kohorte gezielte Frauenförderung, Kinderbetreuung und Unterstützung bei Anerkennungsverfahren in den Fokus.
Nicht verwalten, sondern gestalten: Was die Pro Arbeit anders gemacht hat
Frühzeitige Aktivierung statt Abwarten
Die strategische Grundentscheidung fiel bereits 2015 auf dem Höhepunkt der Fluchtbewegung: nicht abzuwarten, bis die formale Zuständigkeit greift, sondern frühzeitig zu handeln. In Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit eröffnete der Kreis Offenbach ein Arbeitsmarktbüro, das nicht anerkannten Geflüchteten im Rechtskreis des Asylbewerberleistungsgesetzes Beratung zu Ausbildung und Beschäftigung anbot. Parallel wurde ein Profiling-Büro eingerichtet, um Kompetenzen und Potenziale systematisch zu erfassen.
Ziel war es, den Übergang in die Jobcenter-Zuständigkeit vorzubereiten, Zeitverluste zu vermeiden und eine nahtlose Integrationskette zu schaffen. Diese frühe Aktivierung sollte das Risiko späteren Langzeitleistungsbezugs verringern.
Wirksame Instrumente: Was den Unterschied gemacht hat
In der operativen Praxis erwiesen sich drei arbeitsmarktpolitische Instrumente als besonders wirksam: Maßnahmen bei einem Arbeitgeber und Eingliederungszuschüsse ermöglichten vielen Geflüchteten einen schnellen Einstieg in Betriebe, auch ohne vollständig anerkannte Qualifikation. Zugleich bauten sie Berührungsängste auf Arbeitgeberseite ab. Besonders nachhaltig war die Förderung beruflicher Weiterbildung, da sie zu höheren Löhnen und stabileren Beschäftigungsverhältnissen führte. Ihre Wirkung war vor allem bei Frauen deutlich, wenn Qualifizierungen mit Kinderbetreuung verknüpft wurden. Am effektivsten zeigte sich die Kombination aus Berufssprachkursen und anschließender Weiterbildung oder einer betrieblichen Maßnahme. Arbeitsgelegenheiten hatten hingegen überwiegend aktivierende, aber kaum nachhaltige Effekte auf die reguläre Beschäftigung. Langwierige Anerkennungsverfahren verzögerten zudem häufig den Übergang in qualifikationsadäquate Tätigkeiten.
Vom Jobturbo zum Spezialteam SG F
Im Zuge der bundesweiten Initiative „Jobturbo“ setzte Pro Arbeit das Drei-Phasen-Modell des BMAS um: Orientierung und grundlegender Deutscherwerb, Arbeiten und Qualifizierung in Beschäftigung sowie Stabilisierung und Ausbau von Beschäftigung. Die Erfahrungen fielen differenziert aus. Informationsveranstaltungen und das pauschalierte Einstiegsgeld erwiesen sich als unterstützend. Zugleich zeigte sich, dass die vorgegebene Kontaktdichte von mindestens einem Gespräch alle vier Wochen die Mitarbeitenden unter erheblichen Druck setzte und nicht immer zielführend war.
Als strategische Konsequenz wurde im Oktober 2024 das Spezialteam SG F eingerichtet – ein Paradigmenwechsel in der Betreuungsorganisation. Anders als im Regeljobcoaching ist das Team in vier Expertengruppen gegliedert, die Kundinnen und Kunden je nach individuellem Unterstützungsbedarf durchlaufen:
- Profiling zur Bedarfsanalyse
- direkte Vermittlung für arbeitsmarktnähere Personen
- Problemlösung bei kurzfristigen Hürden wie Wohnraum oder Kinderbetreuung sowie
- Begleitung zur Stabilisierung der Erwerbsfähigkeit und Förderung sozialer Teilhabe bei arbeitsmarktferneren Personen.
Ziel ist es, Geflüchtete innerhalb von zwei Jahren – möglichst bereits während des Integrationskurses – in einfache Tätigkeiten zu vermitteln und parallel Sprachkompetenzen auszubauen sowie Anerkennungsverfahren voranzutreiben, um den Übergang in höher qualifizierte Beschäftigung zu ermöglichen.
Die Zahlen: Eine differenzierte Erfolgsbilanz
Nationale Perspektive: Fortschritt mit Geschlechterlücke
Auf nationaler Ebene zeigt die Integration der 2015er-Kohorte einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. Im Jahr 2024 waren 64 % dieser Gruppe erwerbstätig. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im oberen Bereich Europas. Hinter diesem Wert zeigt sich eine deutliche Geschlechterlücke: Die Beschäftigungsquote der Männer stieg von rund 20 % im Jahr 2016 auf 76 % im Jahr 2024 und liegt damit über dem Durchschnitt der männlichen Bevölkerung (72 %). Bei den Frauen verlief die Entwicklung langsamer – von etwa 5 % im Jahr 2016 auf 35 % im Jahr 2024 – und bleibt deutlich unter dem deutschen Durchschnitt (68 %).
Parallel sank die Abhängigkeit von der Grundsicherung. Während 2016 noch nahezu alle Geflüchteten (85–90 %) Leistungen nach dem SGB II bezogen, lag die Quote 2024 bei rund 34 %. Darin enthalten sind auch Aufstockende, deren Erwerbseinkommen nicht zur vollständigen Sicherung des Lebensunterhalts ausreicht. Mit einem Medianlohn von 70 % des Bevölkerungsdurchschnitts bleibt die Einkommenslücke jedoch erheblich.
Auch die Branchenintegration zeigt einen strukturellen Wandel. Sieben bis acht Jahre nach dem Zuzug arbeiteten 49 % der Männer und 42 % der Frauen als Fachkräfte. Geflüchtete sind inzwischen in systemrelevanten Branchen fest etabliert: Frauen überproportional im Bereich Gesundheit und Soziales (26 %), Männer insbesondere in der Fertigung (24 %), in Sicherheit und Logistik (12 %) sowie im Baugewerbe (8 %).
Lokale Bilanz: Pro Arbeit Kreis Offenbach in Zahlen
Die Daten der Pro Arbeit bestätigen die nationalen Trends und konkretisieren sie. Die fünf häufigsten Herkunftsländer im Leistungsbezug waren im Januar 2026: Afghanistan (2.332 Personen), Ukraine (2.205 Personen), Syrien (862 Personen), Eritrea (337 Personen) und Somalia (239 Personen). Der Bestand an Personen sowohl aus der 2015er- als auch aus der Ukraine-Kohorte bleibt damit weiterhin hoch.
Von den insgesamt seit 2015 ermittelten 10.669 Integrationen entfallen seit 2022 1.321 auf ukrainische Vertriebene und 3.580 auf sonstige anerkannte Geflüchtete. Zwar scheint die Zahl hoch, doch zeigt sich bei den Integrationsberufen, dass der Einstieg überwiegend über Helfertätigkeiten erfolgt: in der Reinigung (5 %), im Verkauf, in der Lagerwirtschaft und im Transport sowie in der Küche (jeweils 3 %) und als Verkäuferin bzw. Verkäufer (3 %).
Was die Arbeit erschwert hat – und was sie erleichterte
Erschwerend: Bürokratie, Isolation und problematische Haltungen
Die größten Hürden in der täglichen Integrationsarbeit lagen nicht immer dort, wo sie vermutet wurden. Neben strukturellen Problemen wie langen Asylverfahren, verzögertem Zugang zu Förderinstrumenten oder restriktiven Wohnsitzauflagen zeigte die Praxis ein komplexeres Bild.
Als wesentliches Integrationshemmnis erwies sich die soziale Isolation. Geflüchtete leben häufig räumlich und sozial abgeschottet. Die Erfahrung der Pro Arbeit zeigt, dass persönliche Integration auch die berufliche Integration fördert, etwa durch Mitgliedschaft in örtlichen Vereinen.
Ein weiteres zentrales Problem ist das Risiko ausbeuterischer Beschäftigung. Die hohe Motivation vieler Geflüchteter, jede Tätigkeit aufzunehmen, sofern sie eine Perspektive bietet, führt mitunter zu negativen Erfahrungen mit unseriösen Arbeitgebenden. Dies erzeugt Ablehnung und Skepsis – nicht nur bei den Betroffenen, sondern auch in Herkunfts-Communities. In der Beratungspraxis zeigten sich zudem problematische Haltungen einzelner Arbeitgebender, die eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe erschweren und das Risiko ausbeuterischer Beschäftigung erhöhen.
Auf institutioneller Ebene erschwerten steigende Anforderungen an Bewerbende sowie ausbleibende Rückmeldungen der Arbeitgebenden die Akquise geeigneter Stellen. Sprachbarrieren blieben ein Hindernis, verschärft durch Restriktionen bei Wiederholungskursen, etwa zur Erlangung eines B1-Zertifikats. Zudem zögerten manche Arbeitgebende, Personen mit Asylstatus einzustellen, da zwischen Vertragsabschluss und Arbeitsaufnahme häufig eine drei- bis vierwöchige Wartefrist liegt.
Für die 2015er-Kohorte kam hinzu, dass bei einem Teil der seit rund zehn Jahren in Deutschland lebenden Personen Resignation spürbar wurde, sofern noch kein stabiles Beschäftigungsverhältnis erlangt wurde. Für die Jobcenter blieben hohe Fallzahlen, sinkende finanzielle Mittel sowie begrenzte Ressourcen in den Bereichen Gesundheit, Betreuung und Wohnraum eine dauerhafte Herausforderung.
Erleichternd: Motivation, früher Zugang und ganzheitlicher Ansatz
Erleichtert wurde die Integrationsarbeit vor allem durch die hohe Motivation der Geflüchteten und der ukrainischen Vertriebenen. Informationsveranstaltungen waren stark nachgefragt, gute Jobangebote wurden auch bei längeren Arbeitswegen angenommen. Besonders gefragt waren Tätigkeiten im sozialen Bereich. Nach entsprechender Qualifizierung zeigten viele ein überdurchschnittliches Engagement und eine ausgeprägte Arbeitsethik. Vereinbarte Termine wurden zuverlässig wahrgenommen.
Der beschleunigte rechtliche Rahmen für die Ukraine-Kohorte zeigte zudem, dass ein früher Zugang zu Arbeit und Leistungen die Integration messbar beschleunigt. Eine zentrale Praxiserkenntnis lautet daher, dass nachhaltige Integration dort gelingt, wo individuelle Förderung, enge Begleitung sowie die Verzahnung von Sprachförderung, Weiterbildung und betrieblicher Erfahrung systematisch zusammenwirken und nicht allein auf standardisierte Maßnahmen gesetzt wird.
Was für die Zukunft daraus gelernt werden kann
Aus der Verknüpfung nationaler Daten mit der lokalen Praxis im Kreis Offenbach lassen sich strategische Empfehlungen ableiten.
Für Politik und Gesetzgebung
Die positiven Erfahrungen mit dem rechtlichen Rahmen für die Ukraine-Kohorte sollten zum Regelfall werden. Ein unmittelbarer Arbeitsmarktzugang und eine frühe Zuständigkeit der Jobcenter beschleunigen die Integration nachweislich. Asylverfahren sowie Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse müssen deutlich verkürzt werden. Lange Wartezeiten fördern Demotivation, wie die Entwicklung der 2015er-Kohorte zeigt.
Die aktuelle Diskussion über eine mögliche Rückverlagerung der Ukrainer in das Asylbewerberleistungsgesetz verdeutlicht, wie stark rechtliche Rahmenbedingungen die Integrationsgeschwindigkeit beeinflussen.
Die Geschlechterlücke in der Beschäftigung bleibt die zentrale integrationspolitische Herausforderung, nicht nur bei Personen mit Fluchthintergrund. Investitionen in den Ausbau der Kinderbetreuung sind ebenso erforderlich wie flexible, anerkennungsorientierte Teilzeitqualifizierungen, die mit familiären Verpflichtungen vereinbar sind. Die regionalen Disparitäten bei den Integrationserfolgen zeigen zudem, dass Wohnsitzauflagen stärker an der Arbeitsmarktsituation ausgerichtet werden sollten, um Mobilität dorthin zu ermöglichen, wo Arbeitskräfte benötigt werden.
Für Verwaltung und Jobcenter
Das Modell spezialisierter Teams wie SG F sollte als Vorbild dienen. Es ermöglicht eine höhere Beratungsqualität und eine effektivere Bearbeitung komplexer Problemlagen. Die Integrationskette darf nicht an den Grenzen der Rechtskreise abbrechen. Frühzeitige Profiling- und Beratungsangebote bereits während des Asylverfahrens sollten systematisch implementiert werden, um Zeitverluste zu vermeiden.
Ebenso zentral ist eine stärkere Vernetzung mit der Zivilgesellschaft. Die Erfahrung der Pro Arbeit zeigt, dass soziale Teilhabe eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltigen beruflichen Erfolg ist. Kooperationen mit lokalen Vereinen, Sportclubs und zivilgesellschaftlichen Initiativen sollten daher weiter ausgebaut werden.
Für die Wirtschaft
Geflüchtete sind inzwischen ein wichtiger Bestandteil systemrelevanter Branchen und tragen zur Minderung des Fachkräftemangels bei. Die Daten zeigen, dass mit Qualifizierung eine ausgeprägte Arbeitsethik und hohe Leistungsbereitschaft einhergehen. Arbeitgebende, die auf Partnerschaft auf Augenhöhe setzen, profitieren davon. Ausbeutung und herablassende Haltungen hingegen schaden nicht nur den Betroffenen, sondern der Integrationsarbeit insgesamt.
Fazit: Ein Marathon mit positiver Zwischenbilanz
Die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten ist ein Marathon und kein Sprint. Die Zwischenbilanz nach knapp zehn Jahren fällt trotz aller Herausforderungen positiv aus. Eine Beschäftigungsquote von 64 % in der 2015er-Kohorte, der sukzessive, aber sichtbare Aufstieg in Fachkrafttätigkeiten sowie die Integrationsbilanz im Kreis Offenbach belegen, dass Integration in den Arbeitsmarkt gelingen kann.
Die Erfahrung der Pro Arbeit zeigt, dass der Erfolg von drei Faktoren abhängt: vom politischen Willen, frühzeitigen Zugang zu ermöglichen und Bürokratie abzubauen, von der operativen Fähigkeit zu ganzheitlicher und individueller Förderung sowie von der gesellschaftlichen Bereitschaft, Geflüchtete als Potenzialträgerinnen und Potenzialträger zu begreifen.
Unter geeigneten Rahmenbedingungen ist die Integration von Geflüchteten nicht nur eine humanitäre Verpflichtung, sondern auch ein Beitrag zur Fachkräftesicherung und Zukunftsfähigkeit des deutschen Arbeitsmarktes. Sie bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe, die sich lohnt.
Datenstand der internen Auswertungen (DV-Fachverfahren comp.ASS): 31. Januar 2026. Quellen: IAB-KB 17/2025; IAB-BAMF-SOEP/IEB-Daten; BMAS-FB 659/2025; Brücker et al. 2020a; Brücker, Jaschke & Kosyakova 2025a; Kosyakova & Kogan 2022; Brell et al. 2020.
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