Vision 2030 – Abgabenverfahren der Zukunft!

Barcamp von AWV und Lufthansa Global Business Service GmbH am 17./18. Oktober 2017 in Hamburg

Nach der erfolgreichen Veranstaltung „Vision 2030 – Entgeltabrechnung der Zukunft“ im Mai 2017 in Berlin wurde am 17. und 18. Oktober 2017 in Hamburg die zweite Runde eingeläutet. Gastgeberin war diesmal die Lufthansa Global Business Service GmbH (LGBS), die am ersten Veranstaltungstag 25 Teilnehmer/-innen auf der Lufthansa Basis am Hamburger Flughafen in Empfang nahm. Im Fokus stand diesmal die Zukunft der Abgaben- und Meldeverfahren, weshalb der Kreis insbesondere um Vertreter/-innen von Krankenkassen und Datenannahme- und Verteilstellen erweitert wurde. Bewusst gewähltes Format der Veranstaltung war erneut das eines BarCamps, also einer offenen Tagung mit offenen Workshops („Sessions“), deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmer/-innen selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet wurden. Um es vorwegzunehmen: Auch diesmal trug das Veranstaltungsformat zu einer guten Atmosphäre und einem spannenden Erfahrungsaustausch bei.

Auftakt, Kurzimpulse und Sessions

Der Begrüßung durch Peter Sättler (LGBS) und Wilhelm Knoop (Deutsche Lufthansa AG, Vorstandsmitglied der AWV) folgte unter der Überschrift „Digitale Transformation in der GKV“ ein Startvortrag von Karen Walkenhorst (Vorstand Techniker Krankenkasse). Hier wurde bereits deutlich, dass sich die Digitalisierung nicht im bloßen Einsatz neuer Technologien erschöpft, sondern zunehmend zur Disruption bislang bewährter Geschäftsmodelle führen wird – was durchaus als Chance zu verstehen ist (Stichworte „Reduzierung Verwaltungsaufwand“ und „neue Produkte“). Im weiteren Verlauf des ersten Veranstaltungstages stellten die ITSG (Informationstechnische Servicestelle der gesetzlichen Krankenversicherung GmbH), die DAK-Gesundheit, die Bundessteuerberaterkammer und die DATEV eG ihre Vision für das Jahr 2030 in 15-minütigen Kurzinputs vor, wobei folgende Leitgedanken als Anregung dienten:

  • Wie sieht Ihre Zukunftsvision für das Abgabe- und Meldeverfahren (Steuer- und SV) aus?
  • Welche Projekte laufen mit Blick auf diese Vision schon oder sind angedacht?
  • Was macht der Mensch, was macht die Maschine? Welche Kompetenzen/Ausbildungen werden benötigt? Wie gestalten wir den Changeprozess?

Schon während des Startvortrags und der Kurzimpulse brachten die Teilnehmer/-innen Fragen und Vorschläge für zu bearbeitende Themen per Smartphone über ein interaktives Response-Tool ein. Nach gemeinsamer Priorisierung und Festlegung der wichtigsten Themen fanden dann die Sessions im kleinen Teilnehmerkreis statt, bei denen eine Vertiefung erfolgte. Intensiv diskutiert wurde dabei unter anderem ein geplantes Vorhaben zur elektronischen Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), welches derzeit von der Techniker Krankenkasse in einem Pilotprojekt erprobt wird. Bei rund 75 Mio AU-Bescheinigungen jährlich könnte eine reibungslose, gesicherte Übermittlung der Bescheinigungsdaten vom Arzt zur zuständigen Krankenkasse und von dort an den Arbeitgeber ein lohnenswerter Beitrag zum Abbau von Bürokratie sein.

Arbeitgeber-/Arbeitnehmerportal

Zum zweiten Veranstaltungstag erfolgte ein Ortswechsel: Vom Flughafen im Norden Hamburgs ging es in die Hamburger HafenCity in die sogenannten HONKONG STUDIOS, ein über 400 m² großes Loft im obersten Boden eines ehemaligen Speicherhauses. In dieser kreativen Atmosphäre stellt Nadja Riedel von der Haufe Group die Vision zu einem Arbeitgeber- bzw. Arbeitnehmerportal vor, eine Idee, die schon in der vorherigen Veranstaltung in Berlin diskutiert und zwischenzeitlich in einer dort gebildeten Arbeitsgruppe vertieft wurde. Über das Portal könnten im Rahmen von definierten Geschäftsprozessen Arbeitnehmerdaten zwischen den Institutionen (einschließlich dem Arbeitnehmer selbst) ausgetauscht werden. Daten, auf die über das Portal zugegriffen werden kann, liegen bei den zuständigen Quellen (z.B. Meldebehörde), es gibt keine redundante Datenspeicherung. Das Thema soll nicht isoliert betrachtet, sondern mit den Planungen nach dem Onlinezugangsgesetz (OZG) verknüpft werden. Dieses verpflichtet Bund und Länder, grundsätzlich alle Verwaltungsleistungen bis Ende 2022 online über Verwaltungsportale anzubieten und die Portale zu einem Portalverbund zu verknüpfen. Eine zentrale Funktionalität soll dabei das einheitliche Nutzerkonto sein, über das sich die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen gegenüber der Verwaltung identifizieren können.

Es schlossen sich weitere spannende Kurzinputs an (BITMARCK Software GmbH, Deutsche Post AG/Volkswagen AG, SAP SE und LGBS), aus denen sich Themen ergaben, die wie am Vortag in Kleingruppen besprochen und im Plenum geteilt wurden. Das besondere Interesse galt dabei dem Thema Künstliche Intelligenz, von dem erwartet wird, dass es in Zukunft eine immer größere Rolle spielt.

Gastgeberin der zweittägigen AWV-Veranstaltung "Vision 2030 - Abgabenverfahren der Zukunft" war die Lufthansa Global Business Service GmbH, die am ersten Veranstaltungstag die rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Lunfthansa Basis am Hamburger Flughafen in Empfang nahm.

Ergebnisse und Ausblick

Im Nachgang wurden die Teilnehmer/-innen gebeten, die für sie bedeutsamsten Punkte aus der Veranstaltung schriftlich einzubringen. Die gesammelten Rückmeldungen wurden aufbereitet und qualitätsgesichert, um diese mit Entscheidungsträgern in der öffentlichen Verwaltung zu diskutieren. Eine erste Vorstellung im Bundeskanzleramt (Geschäftsstelle Bürokratieabbau) stieß auf Interesse. Die Aktivitäten werden im Jahr 2018 fortgesetzt und voraussichtlich dauerhaft als Thema in der Struktur der AWV verankert, worüber zu gegebener Zeit berichtet wird.

Danksagung

Der besondere Dank gilt der gastgebenden LGBS – namentlich vertreten durch Jan-Erik Waschk und Peter Sättler – welche die Veranstaltung gemeinsam mit der AWV geplant und organisiert haben. Maßgeblich zum Erfolg beigetragen hat die Moderatorin Anja Rother (ebenfalls LGBS), die souverän durch die Veranstaltung führte, sowie die Co-Moderation von Nicole Wingender (AWV) und Professor Manfred Bornewasser (Universität Greifswald).

Foto: AWV e.V.