Gründungsworkshop des AK 1.5 „Bioökonomie und Nachhaltigkeit"

Am 31.01.2019 tagte der neu gegründete Arbeitskreis 1.5 „Bioökonomie und Nachhaltigkeit“ in den Räumen der Geschäftsstelle der AWV in Eschborn. Herr Dr. Naujokat begrüßte den Teilnehmerkreis aus Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft, Wirtschaft und dem Dritten Sektor zur Gründungssitzung. Arbeitskreisleiter ist Herr Prof. Dr. Hans-Dietrich Haasis von der Universität Bremen.

Die Arbeitskreisgründung beruht auf der Grundlage der aktuellen Umsetzung der Bioökonomie-Strategie der Bundesregierung. Bislang ist nur wenig über die konkrete Förderung und Implementierung der Strategie in den Kommunen, Regionen und Städten bekannt, sodass sich der Arbeitskreis zum Ziel gesetzt hat, die aktuelle Lage zur Thematik Bioökonomie zu erfassen. Des Weiteren sieht sich der Arbeitskreis als Ideen- und Impulsgeber und möchte anhand von Best-Practice-Beispielen Kommunen, Landkreisen und Regionen aufzeigen, inwieweit bioökonomische Ansätze bereits initiiert, begleitet und umgesetzt werden können.

Bei einem Brainstorming der Teilnehmer wurde ersichtlich, dass die Herangehensweise an neue Biotechnologien sowohl aus der wissenschaftlichen, politisch-strategischen als auch verwaltungswirtschaftlichen Perspektive erfolgen sollte, um an einer erfolgreichen Umsetzung weiterarbeiten zu können. In diesem Kontext ist folgende Untersuchungsfrage entstanden, die im Rahmen der Gründungssitzung als Orientierung diente: Wie können Unternehmen, Städte, Regionen und die Gesellschaft motiviert werden bioökonomische Prinzipien anzuwenden?

Die bioökonomische Gestaltung einer Region kann nur positiv ausfallen, wenn die Hemmnisse und Barrieren vor Ort herauskristallisiert und überwunden werden. Zudem müsse Nachhaltigkeit zukunftsfähiger präsentiert werden und die Prozesshaftigkeit im Fokus liegen.

Die AWV als neutrale Arbeitsplattform wird gemeinsam mit dem Teilnehmerkreis Erfolgsbeispiele im Rahmen der Umsetzung von Bioökonomie identifizieren, um auch den KMUs, zu denen bislang wenig Bezüge festgestellt werden konnten, einen Erfahrungsaustausch anbieten zu können, der wiederum Ideen und Anreize schafft. Dieser Erfahrungsaustausch kann dazu beitragen, dass sich die jeweiligen Akteure zu Veränderungen der Angebots- und Nachfragesituation, der Wertschöpfung und des Marktes informieren können. Zudem wird auch der Frage nachgegangen, wie in bestimmten Regionen Bioprodukte generiert werden können. Hierbei spielt insbesondere die Vernetzung lokaler Strukturen eine wesentliche Rolle.

Neben den Hemmnissen und Barrieren einerseits und der notwendigen Wirtschafts- und Kundenfokussierung andererseits sei die Bildung eines bioökonomischen Bewusstseins und Denkens seitens der Bevölkerung und der KMUs unverzichtbar. Nicht nur ein Umdenken in der Gesellschaft müsse forciert werden, sondern auch ein Paradigmenwechsel in der Öffentlichkeit.

Des Weiteren beschäftigt sich die AWV auch damit, wie die verwaltungstechnischen Rahmenbedingungen für die KMUs gestaltet werden müssen. Dabei sollen vier Stränge im Vordergrund stehen:

  • Bioenergie aus regenerativen Energiequellen,
  • abbaubare Biomaterialien,
  • Bioprodukte als solche,
  • Berücksichtigung von Bioproduktion bei technologischen Prozessen.

Für die kommenden Sitzungen sollen qualifizierte Kommunikations­konzepte von Erfolgsbeispielen aus der Region Tübingen erarbeitet werden, um mögliche Handlungsempfehlungen auszusprechen, die wiederum Verwaltungen und KMUs anderenorts motivieren sollen. Die Region Tübingen wurde als Beispielregion gewählt, da vor Ort bereits aktive Netzwerkstrukturen vorhanden sind und die Region eine Vielfalt an bioökonomischen Ansätzen aufweist. Für Tübingen soll exemplarisch ein erstes Maßnahmenportfolio erstellt werden, um im weiteren Verlauf auf kommunaler und regionaler Ebene eine bioökonomische Transformation zu initiieren.

Die nächste Sitzung ist für Juli in Tübingen geplant. Zielgruppen des Arbeitskreises sind u.a. Unternehmen, Händler, Dienstleister, vor allem aber aktuelle Bioökonomie-Vorreiter. Interessenten sind herzlich willkommen und wenden sich bitte an den verantwortlichen AWV-Fachreferenten Herrn Dr. Ulrich Naujokat (naujokat@awv-net.de).

Text: Julia Szelag, AWV-Fachreferentin
Veröffentlicht am 10.04.2019 /Foto: dreamstime, malpetr.