WIN – Vernetzung fördern, Bekanntheit stärken

AWV-Interview mit Birgit Faßbender, Leiterin der Landesgruppe WIN Germany

Das Women of IFA Network (WIN) unterstützt Expertinnen mit beruflichem Schwerpunkt im Bereich des internationalen Steuerrechts. Birgit Faßbender leitet WIN in Deutschland und ist darüber hinaus als Partnerin und Steuerberaterin bei der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt in Düsseldorf tätig. Wir sprachen mit ihr über Frauen im internationalen Steuerrecht und die Arbeit des WIN.

Frau Faßbender, vielen Dank für Ihre Bereitschaft zu diesem Interview. Sie sind Leiterin der Landesgruppe „Women IFA Network Germany“ (kurz WIN Germany), dem Frauennetzwerk der International Fiscal Association (IFA) in Deutschland. Die IFA ist eine weltweit tätige Vereinigung mit Sitz in Rotterdam. Zweck der IFA ist das Studium sowie die Förderung des internationalen und des vergleichenden Steuerrechts. Um diesen Zweck zu erfüllen, veranstaltet die IFA etwa Kongresse und Seminare. Zunächst einmal ganz allgemein: Wie ist WIN organisatorisch in die IFA eingebunden? Welche Ziele verfolgt die WIN-Initiative?
Das Women IFA Network ist aus einer Initiative engagierter Damen entstanden, die im Rahmen der internationalen IFA-Kongresse Möglichkeiten suchten, sich mit anderen Expertinnen zu vernetzen. Insbesondere unterstützt das Women IFA Network die teilnehmenden Damen darin, sich selbst ein starkes Netzwerk von Expertinnen aufzubauen, deren beruflicher Schwerpunkt im Bereich des internationalen Steuerrechts liegt. Zudem will das Netzwerk mit seinen Aktivitäten den Anteil der weiblichen IFA-Mitglieder und deren Präsenz innerhalb der IFA vor allem durch verstärkte Mitwirkung in Gremien, im Rahmen von Veranstaltungen und bei Studien erhöhen. Das WIN-Netzwerk sieht sich als Plattform, auf der die Teilnehmerinnen sich gegenseitig in ihrer beruflichen Entwicklung fördern. Durch die Diskussion aktueller Entwicklungen im internationalen Steuerrecht soll die Fortentwicklung des Rechts gefördert und begleitet werden. Der pluralistische und offene Austausch über fachliche und berufliche Fragen ermöglicht es den Teilnehmerinnen die eigene Wertschöpfung in der Praxis zu erhöhen und ihre beruflichen Potenziale zu entwickeln.

Das Women IFA Network Germany ist ein unselbständiger Teil der Deutschen Vereinigung für Internationales Steuerrecht, der deutschen Landesgruppe der IFA, und in vielfältiger Weise in deren Aktivitäten eingebunden. WIN-Damen sind in Gremien der regionalen Sektionen der IFA vertreten, übernehmen die Organisation von regionalen IFA-Fachveranstaltungen, treffen sich anlässlich regionaler und deutschlandweiter IFA-Veranstaltungen und werden verstärkt auch als Referentinnen für IFA-Veranstaltungen eingeladen. Insbesondere in Vorbereitung der 1st WIN Tax Conference erhielt WIN Germany administrative Unterstützung durch die Geschäftsführung der deutschen IFA-Landesgruppe. Auf internationaler Ebene kooperiert das „WIN Steering Committee“ mit dem Präsidenten der „International Fiscal Association“ und dem „Permanent Scientific Committee“, welches für die Entwicklung des wissenschaftlichen Programms der IFA zuständig ist. Ziel ist es auch hier, hochqualifizierte Damen visibler zu machen und deren Beteiligung an den Panels der internationalen IFA-Kongresse zu erhöhen.

Über unseren Arbeitskreis Verrechnungspreise wissen wir, dass die Frauenquote in den Verrechnungspreis-Teams der Steuerabteilungen in den Unternehmen noch verhältnismäßig hoch ist. Gilt das für das internationale Steuerrecht insgesamt? Wie ist das im internationalen Vergleich und welches Entwicklungspotenzial sehen Sie?
Der Anteil der Frauen in den grenzüberschreitend tätigen Steuerabteilungen von Unternehmen ist sicher gestiegen. Wir sehen aktuell Frauen eher in Unternehmen als in Kanzleien in Führungspositionen; einige Kanzleien holen aber auf. Nach den nicht repräsentativen Auskünften der Kolleginnen im Ausland ist der Erfolg von Frauen im internationalen Steuerrecht je nach Weltregion unterschiedlich. So haben Kolleginnen aus Südamerika berichtet, dass in Ländern wie Brasilien, Argentinien und Peru Frauen selbstverständlich in Führungspositionen sowohl in Unternehmen als auch in der IFA vertreten sind. Auch innerhalb Europas finden sich insoweit Unterschiede. In Deutschland gibt es viele erfolgreiche Damen im internationalen Steuerrecht, die wir gerne sichtbarer machen wollen. Zudem haben wir hervorragend ausgebildete Damen mit großem Entwicklungspotenzial im Netzwerk. Im Vergleich zu anderen Ländern sollte es auch in Deutschland selbstverständlicher werden, dass Frauen in Führungsgremien und -positionen vertreten sind.

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Veröffentlicht am 13.06.2019 / Foto: Fotolia, peshkova